The Island of Malt – die Kildalton Destillerien

Islay-Whiskies stehen vor allem für eine Eigenschaft – sie gelten als stark getorft, auf die allermeisten der hier erzeugten Destillate trifft dies auch uneingeschränkt zu. Gemessen an den Standardabfüllungen kann man hier Malts von enormer torfiger Dichte und stechendem Jodgeschmack, gleichzeitig aber auch von großartiger Komplexität genießen.

Im Süden der Insel liegen wie an einer Perlenschnur aufgereiht drei Kronjuwelen der schottischen Brennkunst – Laphroaig, Lagavulin und Ardbeg.

Dabei könnten die Destillerien in Geschichte und Gegenwart unterschiedlicher kaum sein.

Laphroaig der Malt, der lange Zeit als Synonym für getorfte Whiskys galt, ist eine von Palmen eingesäumte Musteranlage einer großen Single-Malt-Destillerie. Mit ihrem riesigen, modernen Brennhaus wirkt sie trotz allem etwas unpersönlich und schon fast industriell. Der erzeugte Whisky steht in enger Verbindung mit dem Königshaus und insbesondere mit Prince Charles. Die Standardabfüllung, der 10jährige, hat etwas von seiner torfigen Wucht eingebüßt, die ihn lange kennzeichnte ist aber immer noch ein sauber getorfter und klarer Malt. Mittlerweile weiß vor allem die Quarter Cask Abfüllung zu überzeugen – ein Ausbau in sehr kleinen Fässern, die dem Destillat mehr Holzkontakt ermöglichen, ergeben einen Whisky mit mehr Tiefe und Komplexität, hier tritt der ursprünglich Laphroaig Charakter deutlicher zu Tage.

Wenig weiter östlich gelangt man zum Superstar der Islaybrennereien – Lagavulin. Die Brennerei ist im Hinblick auf die hier erzeugten Single Malts fast schon eine One-Product -Destillerie, denn bekannt ist sie vor allem für den 16jährigen. Die Kraft und der Körper dieses Whiskys sind unbeschreiblich, trotz seines enormen Torfgehaltes gelingt es süße, schwere Noten mit dem maritimen Charakter des Lagavulins auf großartige Weise zu kombinieren. Diese Qualität machte den Lagavulin zum Flaggschiff der Classic-Malt-Range des Spirituosenriesen Diageo.

Ganz im Südosten der Insel, kurz vor dem beeindruckenden Kildalton-Cross, stößt man auf die vielleicht bemerkenswerteste Destillerie auf Islay – Ardbeg. Lange Zeit geschlossen und fast schon von der Whiskyweltkarte gestrichten, gelang hier mit dem Kauf durch die Glenmorangie plc. ein Paradebeispiel für die erfolgreiche Wiederbelebung einer großen schottischen Destillerie. Die kleine, idyllische gelegene Brennerei war nur noch etwas mehr als eine Ruine, als eine kleine enthusiastische Schar dem Platz neues Leben einhauchte.

Heute ist Ardbeg möglicherweise die Brennerei, die mit ihrem Auftritt und ihren Produkten am eindrucksvollsten unter Beweis stellt was in Islay-Whiskies steckt. Angefangen von Vintage-Abfüllungen wie dem 1977er oder 1978er, über Special Releases wie den Corryvreckan, Alligator, Galileo oder Renaissance, bis zum heutigen Standard dem 10jährigen oder dem Uigedal, stellt Ardbeg ein ums andere Mal unter Beweis wie ungeheuer komplex ein überaus stark getorfter Whisky sein kann (die bei Ardbeg verwendete Gerste ist deutlich stärker getorft als die von Laphroaig und liegt vom Torfgehalt sogar noch über der von Lagavulin).

Ardbeg kann mit einigen Besonderheiten aufwarten, zum einen wird das Destillat hier quasi 2,5-fach gebrannt (an der zweiten Brennblase befindet sich ein Purifikator, der die schwereren Bestandteile des Brandes dem Brennprozess erneut zuführt) zum anderen verfügt Ardbeg über eine weltweit organisierte Gemeinde von Anhängern dem Ardbeg Commitee, für die es sogar eigene Abfüllungen gibt.

Im Vergleich zu Laphroaig ist Ardbeg geradezu klein und es ist nicht mehr zu erahnen, dass Ardbeg einmal die größte Islaybrennerei war, mit eigenen Wohnhäusern, Schulräumen und einer eigenen Fußballmannschaft. Nun legt die Distillerie hohen Wert auf Gastfreundschaft für die vielen Besucher, die einem eigenen kleinen Cafe und Restaurant empfangen werden.

Mittlerweile gehört Ardbeg zum LVHM Luxuskonzern, daher darf die zukünftige Entwicklung mit Spannung erwartet werden. Aktuell gehören die Produkte in den grünen mit starken keltischen Anklängen versehenen Flaschen zu begehrten Produkten bei Whiskygenießern weltweit.

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