Arbeg und der heilige Gral

Es war eine lange Reise. Fünf Stunden Flugreise mit einem Stopover. Zwei Stunden Autofahrt von Glasgow nach Tarbert entlang der Küste (und mit Paolo am Steuer!). Zweieinhalb Stunden Fähre. Aber jetzt bahnen wir uns den Weg durch die im Nebel liegende Insel Islay. Plötzlich bricht die Sonne durch und lässt die weißen Gebäude der Ardbeg Destillerie vor dem blauen Meer erstrahlen. Ich muss zugeben, dies ist die erste Destillerie, die ich besucht habe. Aber dieser Besuch hat für alle nachfolgenden Maßstäbe gesetzt.

Jackie Thomsom hat uns eine eindrucksvolle Führung gegeben. Wir wurden am offenen Spirit-Safe mit frischem Ardbeg Destillat getauft. Alles war sehr familiär und doch professionell. Nach langem Dornröschenschlaf konnte man förmlich spüren, wie die Destillerie wieder zu neuen Lebem erwachte. Das meiste Equipment war in „Smoked Kelp“ gestrichen, dem Ardbeg-Grün. Ich kann mich nicht erinnern, welchen Whisky wir genau gekostet haben. Es müsste der (alte) Ardbeg „Ten“ gewesen sein, der „Very Young“, der „Uigeadail“ und frischer Spirit. Sehr lecker, sehr großzügig eingeschenk. Dabei ging einiges daneben. Wir sagten: „Please, don’t waste a drop“, Jackie antwortete: „Don’t worry – I’ll lick the table later“.

Nach über zwei Stunden verliessen wir das wunderschöne Old Kiln Café, Ardbegs Besucherzentrum, um nach Port Ellen weiter zu fahren. Beschwingt und tief zufrieden, waren wir doch hier am Ende der Welt ganz nah am heiligen Gral.